lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll

dddddddhhhhhkkkhddj

 


Auszüge aus dem Buch "Pirmin eine Traumkarriere"
Autor: Franz Julen

Zum ersten, zweiten und fast dritten

"Zurbriggen Festival"

Dass am Sonntag, den 3. Februar 1985, keine gewöhnliche Abfahrt zur Austragung gelangte, merkte man spätestens anlässlich der am Vorabend abgehaltenen Mannschaftsführersitzung. Von der FIS gab sich alles, was Rang und Namen hatte, die Ehre, und die Stimmung unter den Trainern war recht giftig. Karl Frehsner sorgte zusätzlich für Aufregung, als er kurz vor Beginn der Auslosung mit den Worten: "Ich muss noch den Weltmeister herausnehmen", aufstand und den Namen Peter Lüscher von der Tafel entfernte. Niemand hatte vorher bemerkt, dass fünf Schweizer Fahrer zur Auslosung bereit waren!

Draussen begann es leicht zu schneien, und als für Pirmin die Startnummer 1 gezogen wurde, klatschten einige Trainer schadenfroh Beifall. Der Schneefall hörte dann aber bald einmal auf, und die Temperaturen sanken. Die kalte Nacht hatte zur Folge, dass die vormals etwas weiche Piste immer härter wurde. Die am Vorabend noch als Handicap angesehene Startnummer 1 war somit alles andere als ein Nachteil. "Ich konnte meine eigene Linie ziehen und wurde durch Zwischen- und Endzeiten anderer Fahrer in meiner Konzentration nicht gestört", sah Pirmin in jener Ausgangslage später durchaus Vorteile.

So stürzte er um 12.01 Uhr als Erster auf die Piste Stelvio und durchraste nach 2:06,68 Minuten das Ziel. "Mit Ausnahme der letzten rund zehn Sekunden ist mir eine Superfahrt gelungen. Im untersten Teil hat mich ein Windstoss extrem behindert. So bin ich vor dem letzten Sprung beinahe stillgestanden. Zu einer Medaille sollte es reichen, aber für die goldene, ich weiss nicht...", lauteten seine ersten Worte nach der Zieldurchfahrt.

Ein Vergleich der Zwischenzeiten zeigt, dass Pirmin mit dieser Vermutung genau richtig lag. Bei der zweiten Stoppung befand er sich 0,98 Sekunden vor Franz Heinzer und 1,08 vor Peter Müller. Im untersten Abschnitt schmolz der Vorsprung wie der Schnee im März, aber es reichte. 21 Tage nach dem operativen Eingriff am linken Knie wurde Pirmin Abfahrts-Weltmeister, elf Hundertstel vor Peter Muller und 0,14 vor dem überraschenden Amerikaner Doug Lewis, der Franz Heinzer einmal mehr auf den unglücklichen vierten Rang verwies.

Am andern Tag jagten sich in den Medien die Superlative. Begriffe wie "Wunder", König Pirmin" oder "Yeti von Bormio" gehörten fast zu jeder Berichterstattung. Pirmin in der Rückblende: "Erst am Abend im Bett realisierte ich richtig, was eigentlich geschehen war."

Unmittelbar nach der Siegerehrung verliess er Bormio mit dem Helikopter Richtung Savognin, wo er kurz vor 18 Uhr beim Hotel "Alpina" landete. Die einheimische Musikgesellschaft wartete mit einem Ständchen auf, aber anschliessend hatte Pirmin seine wohlverdiente Ruhe. Nach dem Nachtessen wurde im Kreise der Techniker mit einem Glas Champagner auf den neuen Weltmeister angestossen, und kurz nach 21 Uhr legte sich ein todmüder Pirmin bereits ins Bett.

Am nächsten Tag standen im Bündnerland erneut "Feierlichkeiten" an, denn Pirmin wurde 22 Jahre alt. Es sollte ein Geburtstag zwischen zwei Goldmedaillen werden. Nach einigen Slalomläufen begab er sich am Nachmittag mit seinem Servicemann wiederum auf den Weg nach Bormio, und 24 Stunden später schlug er schon wieder zu.

Pirmin, durch seine Erfolge völlig gelöst, holte im Kombinations-Slalom problemlos die ihm nach dem souveränen Abfahrtssieg bereits zu Füssen liegende Kombinations-Goldmedaille. Es war eine Meisterleistung von unerhörter Souveränität. Er fand genau die richtige Mischung zwischen Aggressivität und dosiertem Risiko, verlor zwar fast eine Sekunde auf Slalomsieger Thomas Burgler, wurde aber überlegen vor Ernst Riedelsperger und Thomas Burgler zum zweiten Mal Weltmeister.

Jetzt stellte sich die ganze Skiwelt die Frage: Pirmin Zurbriggen zum ersten, zum zweiten, und zum...? Wenig hatte gefehlt, und Pirmin wäre wie Toni Seiler 1956 in Cortina und Jean-Claude Killy 1968 in Grenoble (allerdings bei den Olympischen Spielen) mit drei Goldmedaillen nach Hause gereist. Fünf Hundertstel trennten ihn vom Riesenslalom-Gold, das sich überraschend der nervenstarke Markus Wasmeier eroberte. Marc Girardelli belegte den dritten Rang.

So knapp Pirmin seinen dritten Triumph verpasste - nicht ein Wort des Bedauerns oder gar der Missgunst kamen über seine Lippen.
"Sicher, eine dritte Goldmedaille wäre das Grösste gewesen, aber Wasi' hat mit seinen auf Biegen und Brechen gefahrenen Läufen den Weltmeistertitel wahrlich verdient."

Obwohl Pirmin arm Schlusstag im Slalom im ersten Lauf ausschied ("Die Luft war draussen, die Müdigkeit gross, und ich konnte mich nicht mehr richtig konzentrieren") war er der grosse WM-Star. Die Weltmeisterschaften im Veltlin konnten als "Zurbriggen Festival" bezeichnet werden. Das <,Knie der Nation>' und Pirmins spontane ungekünstelte und herzliche Art sowie seine Zurückhaltung und Selbstkritik eroberten die Herzen der Schweizer.
Zwei Gold- und eine Silbermedaille und das alles nach einer, 16 Tage vor WM-Beginn ausgeführten Knieoperation!